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Tag 8 – Rundwanderung auf dem Sentier du Littoral

Von Giens über Pointe des Chevaliers, Batterie des Salis bis zum Phare Escampabariou (XIXe) – 17. Mai 2026

Der achte Tag unserer Reise begrüßte uns beinahe windstill – eine Seltenheit auf der Halbinsel Giens. Die Luft war klar, die Sonne bereits am frühen Morgen kraftvoll und das Mittelmeer lag ruhig und tiefblau unter dem wolkenlosen Himmel. Perfekte Bedingungen, um endlich auch die wilde Westseite des Sentier du Littoral zu erkunden.

Schon nach den ersten Kilometern zeigte der Küstenpfad erneut, warum er zu den beeindruckendsten Wanderwegen Südfrankreichs zählt. Der Weg führte uns durch dichte mediterrane Vegetation, vorbei an knorrigen Pinien, duftendem Ginster und schmalen Pfaden, die sich immer wieder dicht an steilen Felsabbrüchen entlangzogen. Manche Passagen wirkten fast verwunschen – überwucherte Tunnel aus Buschwerk, hinter denen plötzlich der freie Blick aufs offene Meer wartete.

Und genau diese Ausblicke machten die Wanderung unvergesslich. Hinter nahezu jeder Kurve eröffnete sich ein neues Panorama: türkisfarbene Buchten mit kristallklarem Wasser, schroffe schwarze Felsen, an denen die Wellen in weißen Fontänen zerbarsten, und kleine versteckte Strände, die aussahen wie aus einem Reisekatalog. Das Wasser schimmerte in allen Blau- und Grüntönen – von hellem Aquamarin bis hin zu tiefem Azurblau.

Besonders eindrucksvoll war der Bereich rund um die Pointe des Chevaliers. Hoch über der Küste verlief der Pfad entlang alter militärischer Anlagen und halb zerfallener Befestigungen. Die Batterie des Salis und die historischen Bauwerke rund um den Phare Escampabariou wirkten wie Relikte aus einer anderen Zeit. Betonreste, alte Treppenanlagen und in den Fels eingelassene Beobachtungspunkte erinnerten daran, wie strategisch wichtig diese Küste einst gewesen sein muss.

Doch nicht nur die Landschaft zog uns in ihren Bann. Auch die Tierwelt zeigte sich an diesem ruhigen Tag erstaunlich aktiv. Kleine Mauergeckos huschten blitzschnell über sonnengewärmte Mauern und Felsen, während sich Schmetterlinge zwischen den Blüten treiben ließen. Sogar unscheinbare Details am Wegesrand wurden plötzlich spannend – wie ein kleines Graffiti eines Luchses an einer Mauer, das sich fast perfekt in die trockene mediterrane Umgebung einfügte.

Zwischendurch gönnten wir uns immer wieder kurze Pausen, ließen einfach nur den Blick übers Meer schweifen oder lauschten dem dumpfen Klang der Brandung tief unter uns. Nach Stunden auf felsigen Pfaden war schließlich auch etwas Entspannung verdient: Zurück am Campingplatz ließ ich den Abend noch kurz in der Hängematte zwischen den Bäumen ausklingen, erschöpft, aber vollkommen zufrieden.

Nach fast acht Stunden Wanderung kehrten wir schließlich glücklich und müde in unser kleines Basislager zurück. Der Sentier du Littoral hatte uns auch an diesem Tag wieder gezeigt, dass diese Halbinsel weit mehr ist als nur ein Urlaubsort. Sie ist ein Stück wilde Mittelmeerküste voller Kontraste, Geschichte und Natur – und hinter jeder Kurve wartet bereits das nächste Postkartenmotiv.

🌡️ 21 °C

📏 16.81 km