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Prolog – Zurück nach Island

Island? Schon wieder, werden sich manche fragen. Wer die Insel nur vom Golden Circle oder den Wasserfällen der Südküste kennt, für den mag das ein berechtigter Einwand sein. Aber genau darin liegt das Missverständnis: Island ist kein Land, das man einmal gesehen hat und dann abhaken kann. Es verändert seinen Charakter mit jeder Himmelsrichtung, jeder Jahreszeit, jedem Wetterumschwung.

Meine erste Reise dorthin liegt inzwischen einige Jahre zurück, 2017, gemeinsam mit einer Gruppe Fotografen. 2024 folgte die zweite, diesmal mit meiner Partnerin. Beide Male habe ich die bekannten Highlights der Insel gesehen, dazu ein paar Abstecher abseits der üblichen Touristenpfade. Diesmal sollte alles anders werden.

Ursprünglich hatte ich für diesen Sommer etwas ganz anderes geplant: eine Bergtour mit meinem Sohn, irgendwo in den Alpen, Hütten, ausgesetzte Grate, Tage oberhalb der Baumgrenze. Daraus wurde leider nichts, das Leben hatte andere Pläne mit uns. Also stand ich plötzlich vor der Frage, was ich mit dem freien Sommer anfangen sollte.

Die Antwort fand sich schneller als gedacht. Auf Reykjanes war wieder ein Vulkan ausgebrochen, gleichzeitig begann die Saison der Papageientaucher. Zwei gute Gründe, nicht lange zu zögern. Ich buchte Flüge, reservierte einen Camper und machte mich alleine auf den Weg.

Als ich schließlich in Keflavík landete, war der Vulkan schon wieder verstummt. Enttäuscht war ich trotzdem nicht wirklich. Ich bin nur Gast in diesem Land, ich dirigiere das Theater nicht, ich nehme höchstens daran teil. Island schuldet mir keine spektakulären Ausbrüche, es zeigt sich so, wie es gerade will, und genau das schätze ich an dieser Insel.

Neu war diesmal noch etwas anderes: Ich bin zum ersten Mal komplett allein gereist. Keine Kompromisse, keine Absprachen, kein gemeinsamer Zeitplan, nur ich, ein kleiner Camper und fünf Tage Zeit, um dorthin zu fahren, wohin mich die Straße gerade führte.

In Deutschland war ich noch bei sommerlichen Temperaturen in den Flieger gestiegen, T-Shirt, kurze Hose, ein ganz normaler Augustabend am Niederrhein. Keine vier Stunden später öffneten sich die Türen des Flughafens von Keflavík, und der erste Schritt nach draußen fühlte sich an wie eine isländische Begrüßung – nicht mit Worten, sondern mit Wind. Eiskalt, kräftig und völlig unbeeindruckt davon, dass hier gerade ein Tourist aus dem deutschen Sommer ausstieg. Innerhalb weniger Sekunden war meine Frisur Geschichte und das T-Shirt eine ziemlich schlechte Idee.

Willkommen in Island.

Wirklich überrascht hat mich das Wetter aber nicht. Ich kenne die Insel inzwischen gut genug, um zu wissen, dass hier alle vier Jahreszeiten locker in eine einzige Stunde passen. Die warme Kleidung lag entsprechend griffbereit im Rucksack. Ich war bereit – nicht für einen Urlaub, sondern für ein Abenteuer, das ich dieses Mal mit niemandem teilen würde.