Tag 5 – Flamingos, Salzfelder und die Winde von Giens
Der fünfte Tag begann an unserem kleinen Basislager auf dem Campingplatz Presqu’île de Giens. Schon am Morgen lag dieser typische Duft der Côte d’Azur in der Luft – Salz, Pinien und eine kräftige Brise vom Mittelmeer. Wir packten die Fahrräder und machten uns auf den Weg in Richtung Port d’Hyères.
Am Hafen selbst herrschte noch entspannte Ruhe. Fischerboote lagen sanft im Wasser, Segelmasten klackerten im Wind und entlang der Marina zeigte sich das ruhige Gesicht der französischen Mittelmeerküste, bevor der Tag richtig begann.
Von dort führte uns die Tour weiter auf die berühmte Route de Sel – die schmale Verbindung zwischen den Salins des Pesquiers und dem offenen Meer. Rechts das türkisfarbene Wasser von L’Almanarre, links die flachen Salzlagunen des Naturschutzgebietes. Mit jedem Kilometer wurde der Wind stärker.
Erst bei L’Almanarre zeigte sich die ganze Kraft dieses Küstenabschnitts. Über das aufgewühlte Wasser jagten Windsurfer und Wingfoiler mit hoher Geschwindigkeit hinweg. Die bunten Segel und Wings wirkten wie kleine Farbtupfer zwischen den weißen Schaumkronen, während der Mistral unaufhörlich über die Bucht peitschte.
Doch das eigentliche Highlight wartete zwischen den Salinen.
Zunächst entdeckten wir nur einzelne Flamingos im flachen Wasser. Fast regungslos standen sie dort mit ihren langen rosa Beinen und den elegant geschwungenen Hälsen. Dann hob plötzlich einer der Vögel ab, lief mit schnellen Schritten über die Wasseroberfläche und spannte seine schwarz-rosa Flügel gegen den Wind auf. Kurz darauf zog ein ganzer Schwarm über die Lagunen hinweg.
Wir fanden schließlich einen leicht erhöhten Aussichtspunkt am Rand einer der Salinen, etwas versteckt hinter den entlang der Straße parkenden Campervans. Dort hielten wir inne, beobachteten die Szene und ich füllte Bild für Bild meine Speicherkarte.
Manchmal standen wir jedoch auch einfach nur schweigend da und verfolgten die lautlosen Schritte der Flamingos durch das flache Wasser. Die langen Beine zeichneten feine Wellen in die dunklen Salzbecken, während die Tiere scheinbar schwerelos durch die Lagunen glitten.
Besonders faszinierend war der Unterschied zwischen den einzelnen Tieren. Einige Flamingos trugen noch ihr schlichtes Jugendgefieder in grauen und weißen Tönen und wirkten beinahe unscheinbar zwischen den Salinen. Die adulten Tiere dagegen zeigten bereits ihre beeindruckende Farbpracht – von sanften Rosanuancen bis hin zu kräftigem, leuchtendem Pink, das im Sonnenlicht beinahe unwirklich erschien.
Immer wieder erhoben sich kleine Gruppen in die Luft. Vor dem tiefblauen Himmel und den dunklen Pinien der Halbinsel wirkten die Flamingos fast surreal. Dieses Zusammenspiel aus Wind, Wasser, Salzfeldern und den lautlosen Bewegungen der Tiere machte diesen Ort einzigartig.
Später führte uns die Tour weiter hinauf nach Giens zur alten Burgruine. Dort oben wurde es plötzlich still. Unter uns lagen die beiden Seiten der Halbinsel – auf der einen Seite das offene Mittelmeer mit seinen weißen Schaumkronen, auf der anderen die ruhigen Lagunen der Salinen.
Auch die kleine Kirche auf dem Hügel strahlte eine beinahe zeitlose Ruhe aus. Das warme Licht fiel durch die bunten Fenster in den Innenraum und tauchte die alten Mauern in sanfte Farben. Nach Stunden voller Wind, Natur und Bewegung wirkte dieser Ort wie ein stiller Gegenpol zur rauen Küste draußen.
Am späten Nachmittag kehrten wir erschöpft, aber vollkommen zufrieden zurück zum Campingplatz. Die Gesichter salzig vom Wind, die Kameras voller Aufnahmen und der Kopf voller Eindrücke.
🌡️ 19 °C





























