• Menu
  • Menu

Tag 16 – Die Rückreise beginnt

Etwas wehmütig verstauen wir am Morgen die letzten Dinge in unserem kleinen rollenden Zuhause. Ab jetzt liegen nur noch einzelne Übernachtungen und Etappenstopps vor uns – rund 1140 Kilometer trennen uns noch von Zuhause. Der Urlaub biegt langsam auf die Zielgerade ein.

Nach dem Frühstück plaudern wir noch eine ganze Weile mit unseren Nachbarn, bevor sich unsere Wege trennen. Man verabschiedet sich, tauscht Geschichten aus und schmiedet direkt neue Pläne. Sollte es uns einmal ins Salzburger Land verschlagen, wollen wir vielleicht gemeinsam einen Klettersteig gehen.

Erster Halt des Tages: Garda.
Zumindest theoretisch.

Praktisch begann erstmal die große Parkplatz-Odyssee. Mit Anhänger gelten wir vielerorts faktisch als Wohnwagengespann – und genau die scheinen in den beliebten Orten rund um den Gardasee eher unerwünscht zu sein. Fast jeder zuvor recherchierte Parkplatz erlaubte entweder nur PKW oder maximal Wohnmobile. Fahrzeuge mit Anhänger? Keine Chance.

Also improvisieren wir mal wieder typisch Roadtrip-Style: Nach einer kurzen Unterhaltung mit Händen, Füßen und einer Portion italienischer Gelassenheit stellen wir unser Gespann schließlich irgendwo zwischen Wohngebiet und Supermarkt ab. Nur „ganz kurz“, um noch zwei Flaschen Wein und etwas Limoncello aus einer kleinen Vinothek in der Altstadt zu holen.

Genau jener kleinen Vinothek, vor der wir schon vor knapp vier Jahren während unserer letzten Venezien-Reise viele entspannte Abende verbracht hatten. Manche Orte fühlen sich sofort vertraut an, selbst nach Jahren.

Durch die engen Gassen Gardas schieben sich Menschenmengen zwischen kleinen Boutiquen, Cafés und schattigen Arkaden hindurch. Dazwischen immer wieder der Blick hinaus auf den glitzernden See, eingerahmt von den steilen Bergen am Horizont. Trotz der Hitze liegt dieses typische italienische Lebensgefühl überall in der Luft.

Einkauf erledigt, zurück zum Auto – und weiter Richtung Norden.

Über die A22 geht es nun langsam in Richtung Südtirol. Die Warnungen vor der bevorstehenden Vollsperrung am Brenner sind inzwischen allgegenwärtig. Auf den Rastplätzen stapeln sich die LKWs Stoßstange an Stoßstange, während wir noch halbwegs entspannt durch die beeindruckende Bergkulisse rollen.

Unser heutiger Zwischenstopp: Lana beziehungsweise der kleine Ortsteil Völlan auf etwa 700 Metern Höhe. Ein privater Stellplatz direkt an einer Apfelplantage eines kleinen Ferienhofes. Keine Dusche – aber genau für solche Fälle haben wir ja unsere improvisierte Outdoor-Notfall-Duschlösung samt Wurfzelt dabei. Nicht luxuriös, aber nach diesem heißen Tag definitiv eine Wohltat. Und ehrlich gesagt: Irgendwie gehört genau sowas inzwischen zu unserem Reisealltag dazu.

Diesen Platz kennen wir bereits von früheren Reisen und genau deshalb freuen wir uns umso mehr auf die Ruhe hier oben. Über dem kleinen Ort thront die alte Mayenburg auf einem bewaldeten Hügel. Die mittelalterliche Burganlage wirkt fast wie aus einer anderen Zeit – massive Steinmauern, ein markanter Turm und darunter die ruhigen Gassen von Völlan. Besonders in der warmen Abendsonne hebt sich die Burg eindrucksvoll vom satten Grün der umliegenden Hänge ab. Immer wieder fällt der Blick automatisch hinauf zu den alten Mauern, die hier seit Jahrhunderten über dem Tal wachen.

Ringsherum ziehen sich Apfelplantagen über die Hänge, dahinter ragen die Bergketten Südtirols in den Himmel. Irgendwie wirkt hier alles gleichzeitig mediterran und alpin. Geranien an den Holzbalkonen, eine Palme vor dem Kirchturm – und dahinter ein massives Bergpanorama. Ein Anblick, der erst einmal ungewohnt wirkt, aber genau diesen besonderen Südtirol-Charme ausmacht.

Selbst an der kleinen Bushaltestelle entdecken wir plötzlich etwas Unerwartetes: eine herrlich skurrile Malerei mit Figuren, die verdächtig stark an einen bekannten Pixar-Film erinnern. Irgendwo zwischen Dorfidylle, Burgruine und Bergen grinst uns plötzlich ein grüner Oger entgegen.

Zum Abschluss des Tages geht es noch in eine der beiden kleinen Wirtschaften im Dorf.
Knödeltris, Schlutzkrapfen und eine kühle Hefe-Limo landen auf dem Tisch – genau das Richtige nach diesem heißen Tag. Während draußen langsam die Abendstimmung über das Tal zieht, genießen wir noch einmal diese ruhige, entschleunigte Atmosphäre.

Später laufen wir zurück zu unserem Stellplatz, klären noch schnell ab, ob der Anhänger am nächsten Morgen stehen bleiben darf, damit wir noch einmal nach Meran fahren können, und fallen anschließend ziemlich erschöpft ins Bett.

Die Rückreise hat begonnen.

🌡️ 33 °C

📏 9.27 km