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Tag 13 – Auf den Spuren alter Traditionen

auf Monte Isola

Wir starten an unserem neuen Basislager, dem Campingplatz Cave in Pilzone. Von dort geht es zunächst mit den Rädern entlang des Lago d’Iseo bis nach Sulzano. Schon am frühen Vormittag liegt die Hitze schwer über dem Wasser, die Berge rund um den See wirken beinahe milchig im flirrenden Licht.

Am Fähranleger angekommen setzen wir nach Monte Isola über – genauer gesagt nach Peschiera Maraglio, dem kleinen Hafenort, der mit seinen engen Gassen, alten Fassaden und dicht aneinandergeschobenen Häusern sofort italienische Postkartenidylle versprüht.

Kaum von der Fähre gestiegen, halten wir uns links und folgen der „Traditionstour“, einem Rundweg, der tief in die Geschichte der Insel eintaucht. Schon nach wenigen Metern wird klar: Hier geht es nicht nur ums Wandern, sondern um das alte Leben der Inselbewohner.

Zwischen schmalen Gassen, steilen Treppen und kleinen Innenhöfen erzählen Informationstafeln von Fischern, Bootsbauern und Netzknüpfern. Immer wieder schweift der Blick hinaus auf den glitzernden See, dessen Wasser heute fast unbeweglich daliegt. Die blau-weißen Pfähle im Hafen wirken dabei fast wie eine Kunstinstallation mitten im Wasser.

Offiziell gilt Monte Isola zwar als autofrei, ganz ohne motorisierte Fahrzeuge geht es dann aber offenbar doch nicht. Immer wieder begegneten uns kleine Lieferwagen, ein paar wenige Autos und sogar ein winziger Linienbus, der sich erstaunlich souverän durch die engen Straßen manövrierte. Das eigentliche Hauptverkehrsmittel hier ist allerdings ganz klar der Motorroller. Gefühlt summt es hinter jeder Ecke, während Vespas und kleine Roller durch die schmalen Gassen knattern. Ehrlich gesagt gehört das irgendwie genauso zu Italien wie Wein und Pizza 😅

Mit jedem Höhenmeter wird es ruhiger. Der Trubel am Anleger verschwindet schnell und weicht Olivenhainen, kleinen Kapellen und alten Natursteinmauern. Unterwegs entdecken wir eine alte Mühle mit gewaltigem Schleifstein, verwitterte Keramikarbeiten und immer wieder kleine Details am Wegesrand, die den Charakter dieser Insel ausmachen.

Besonders beeindruckend war auch der Blick hinüber zur winzigen Insel San Paolo, die wie aus einem Filmset mitten im Lago d’Iseo liegt. Umgeben von steilen Bergen und tiefblauem Wasser wirkt sie beinahe unwirklich ruhig.

Immer wieder führte uns der Weg durch schmale Gassen vorbei an alten Torbögen, kleinen Innenhöfen und prachtvollen Kirchen. In einer der Kirchen richteten wir den Blick nach oben und standen plötzlich unter kunstvoll bemalten Deckenfresken, deren Details man minutenlang betrachten konnte. Es sind genau diese unerwarteten Momente, die solche Wanderungen besonders machen.

Unterwegs begegneten uns außerdem zahlreiche Pflanzen und kleine Naturdetails am Wegesrand. Zwischen Mauern und Zäunen rankten Passionsblumen in kräftigen Farben, während über dem See die warme Nachmittagssonne langsam weicher wurde.

In einer kleinen Marina entdeckten wir schließlich noch eine Entenfamilie, die völlig entspannt mitten auf dem Pflaster in der Abendsonne lag. Die kleinen Küken dösten dicht aneinandergekuschelt, während die Entenmama aufmerksam die Umgebung beobachtete. Selbst die immer wieder vorbeiknatternden Motorroller schienen hier niemanden zu interessieren – weder die Enten noch die Inselbewohner. Monte Isola wirkt manchmal tatsächlich, als würde alles ein paar Gänge langsamer laufen.

Über uns thront schließlich eine alte Festungsanlage auf einem bewaldeten Hügel, während tief unter uns der Lago d’Iseo in sattem Blau schimmert. Dazwischen gleiten Kormorane knapp über die Wasseroberfläche, beinahe lautlos.

Besonders beeindruckend sind die kleinen Orte entlang der Route. Manche wirken, als wäre hier die Zeit einfach stehen geblieben. Dunkle Torbögen öffnen sich zu versteckten Innenhöfen voller Geranien, Holztüren und bröckelndem Putz. Genau diese Ecken sind es, die Monte Isola so besonders machen.

Natürlich begegnet man auf der Insel auch immer wieder den Erinnerungen an „The Floating Piers“, jenem Kunstprojekt von Christo, das Monte Isola einst weltweit bekannt machte. Heute ist davon zwar nur noch wenig geblieben, aber der Name hängt weiterhin über der Insel wie eine kleine Legende.

Je weiter wir der Route folgen, desto deutlicher wird, wie eng das Leben der Menschen hier jahrhundertelang mit dem See verbunden war. Fischernetze wurden von Hand gefertigt, Boote gebaut, Oliven geerntet – alles auf dieser kleinen Insel mitten im Lago d’Iseo.

Kurz vor dem Ende unserer Runde begegneten uns erneut die beeindruckenden Sumpfzypressen, die mit ihren Stämmen direkt im Wasser standen und den Uferweg säumten. Fast unwirklich spiegelten sich ihre filigranen Äste im klaren Wasser des Sees und sorgten für einen letzten ruhigen Moment, bevor wir zurück Richtung Fähre liefen.

Und während die Abendsonne die Fassaden langsam in warmes Licht tauchte, setzen wir schließlich wieder zurück ans Festland. Müde Beine, volle Speicherkarten und einmal mehr das Gefühl, einen dieser Orte entdeckt zu haben, die viel leiser sind als die bekannten Touristenmagnete – und genau deshalb so besonders wirken.

🌡️ 27 °C

📏 25.13 km