• Menu
  • Menu

Tag 15 – Dolce Vita am Lago d’Iseo

Eigentlich wollten wir heute nach Brescia fahren. Ein Blick aufs Thermometer und die Aussicht auf drückende Hitze reichten allerdings aus, um die Pläne spontan über Bord zu werfen. Statt Stadttrubel gab es heute genau das, wonach sich dieser Ort perfekt anfühlt: einen entschleunigten Tag direkt am See.

Zwischen knorrigen alten Bäumen hing die Hängematte mit Blick aufs Wasser, irgendwo summten Insekten im Gras und über uns spannte sich ein wolkenloser Himmel. Zum ersten Mal wagten ich mich aufs SUP. Der Einstieg? Sagen wir mal so: elegant ist anders. Der Abstieg ins Wasser dafür umso sicherer. Aber genau solche Momente bleiben am Ende hängen.

Der Tag verlief komplett ohne Uhrzeit, ohne Ziel und ohne wirklichen Plan. Einfach treiben lassen. Sonne auf der Haut, Füße im Wasser, ein leichter Wind vom See und dieses italienische Lebensgefühl, das einen ganz automatisch langsamer werden lässt.

Selbst die kleinen Dinge wirkten heute besonders. Eine winzige Olivenblüte landete plötzlich auf Christiane, als hätte der Tag beschlossen, noch ein kleines Detail dazuzulegen. Später am Nachmittag gab es Eis zwischen Schatten und Seeufer – „Rilassati“ und „Informati“ stand auf den Keksen. Irgendwie passte das perfekt zu diesem Tag.

Irgendwann holte uns dann doch die Realität des Reisens wieder ein: packen. Kisten sortieren, lose Ausrüstung verstauen, das mobile Chaos unseres kleinen Basislagers Stück für Stück zurück in Kisten und Taschen verwandeln. Morgen geht es weiter Richtung Norden. Langsam aber sicher nähert sich unsere Reise ihrem Ende.

Nachdem der Großteil verstaut war, zogen wir noch einmal an den Grasstrand unseres Campingplatzes. Mit einem Glas Chiaretto di Bardolino und dem Käse aus Südfrankreich beobachteten wir die Abendstimmung über dem Lago d’Iseo. Paddler glitten fast lautlos über das Wasser, Segelboote lagen ruhig in der goldenen Abendsonne und irgendwo diskutierten drei Enten vermutlich äußerst wichtig darüber, an welchem Stellplatz heute die besten Brotkrumen zu holen sind.

Neben uns hatte sich inzwischen noch ein weiteres Dachzelt-Camperpärchen eingerichtet. Aus einem kurzen Gespräch wurde ein richtig entspannter Abend mit Gesellschaftsspielen, Limoncello und diesem typischen Campinggefühl, bei dem aus Fremden innerhalb weniger Stunden angenehme Bekanntschaften werden.

Erst als wir später im Bett lagen, fiel uns auf: Das war der erste Tag dieser Reise, der komplett ohne Planung ablief. Kein Ziel, keine To-do-Liste, keine Kilometerleistung. Einfach bewusst den Moment genießen.

Morgen geht es weiter über den Gardasee Richtung Meran, genauer gesagt nach Lana zu einem Stellplatz mit Blick über Apfelplantagen ins Tal. Danach warten noch der Reschenpass, eine Nacht am Reschensee und schließlich die lange Rückfahrt Richtung Münster. Aber eines ist sicher: Ich habe inzwischen komplett das Gefühl dafür verloren, welcher Wochentag heute überhaupt ist.

Drei Wochen unterwegs. Gefühlt vergangen wie ein Wimpernschlag — und gleichzeitig voller Erinnerungen, Begegnungen und kleiner Momente, die bleiben.

🌡️ 30 °C

📏 66.97 km